NL FR EN
Das Fort

Der Standort


Das Fort befindet sich in dem sogenannten „Schalkland“, welches südlich der Chaussée de Dendermonde (Mechelen-Termonde) liegt. Ungeachtet der Tatsache, dass das Grundstück, auf dem sich das Fort befindet, fast vollständig auf dem Gebiet der Gemeinde Breendonk liegt, wird es offiziell "Fort van Willebroeck" genannt. Graf Buisseret de Blanenghien, der damalige Bürgermeister von Breendonk, legt offiziell eine Beschwerde dagegen ein. Daraufhin wird das Fort im Rahmen eines königlichen Erlasses am 12. Januar 1907 umbenannt in "Fort van Breendonck".



Das Fort befindet sich in „Klein-Brabant“, weniger als 25 Kilometer vom Brüsseler Stadtzentrum und 19 Kilometer vom Antwerpener Stadtzentrum entfernt.


Die Schreibweise des Dorfs Breendonk hat sich in Laufe der Zeit stark verändert.

Im 13. Jahrhundert heißt es „BREEDENDONCK“, was so viel wie die „breiten Sümpfe“ bedeutet. Die Schreibweise entwickelt sich dann zu BREENDONCK und 1977 zu BREENDONK (dies am 1. Januar nach dem Zusammenschluss der Gemeinden).


Breendonck und der Antwerpener Festungsgürtel


Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kristallisiert sich das Bedürfnis für eine neue befestigte Verteidigungslinie, zum Schutz der Stadt und des Hafens von Antwerpen sowie des „Reduit Nationaal“, des letzten Bollwerks, heraus (der Beschluss wird 1859 zum großen Missfallen der Antwerpener gefasst). Es werden mehrere Vorschläge gemacht, die u. a. auf General Alexis de Brialmont zurückgehen. Sie enden schließlich mit der Verabschiedung des Gesetzes über den „Plan de défense d’Anvers et du développement des installations portuaires de cette ville“ (Verteidigungsplan für Antwerpen und Entwicklungsplan für die Hafenanlagen der Stadt), der am 29. April 1906 im Belgischen Staatsblatt veröffentlicht wird.

Im Rahmen dieses Gesetzes ist ein Verteidigungsgürtel rund um die Stadt vorgesehen, bestehend aus unabhängigen Forts, die in einem gewissen Abstand zur Stadt (mindestens eine Entfernung von ca. zehn Kilometer) gebaut werden sollen. Der Verteidigungsgürtel soll sich insgesamt über knapp 95 Kilometer erstrecken.





Auf diesem Verteidigungsgürtel liegen die Festungen Stabroek, Ertbrand, Kapellen, Brasschaat, Schoten (1. Sektor), Gravenwezel, Oelegem, Broechem, Kessel (2. Sektor), Lier, Koningshooïkt, Sint-Katelijn-Waver, Walem (3. Sektor), Breendonck, Liezele, Bornem (4. Sektor) sowie Steendorp und Hassdonk (5. Sektor).


In den Abschnitten zwischen diesen Forts findet man noch die Forts von Berendrecht, Smoutakker, Drijhoek (1), Audaan, Schilde, Massenhoven (2), Tallaert, Bosbeek, Dorpveld, Duffel (3), Letterheide, Puurs (4), Lauwershoek und Landmolen.


Es handelte sich um unterschiedliche Arten von Forts gemäß der Militärsprache der damaligen Zeit: Forts „Erster und Zweiter Ordnung“ mit angebundenen oder freistehenden „Caponnières“ ….  Breendonck ist ein Fort Zweiter Ordnung mit angebundenen Kaponnieren. Vier Kilometer westlich liegt das Fort Liezele und acht Kilometer östlich liegt das Fort Walem. Zwischen Breendonck und Liezele befindet sich die Redoute von Letterheide. Breendonck und Walem hingegen trennt ein Überschwemmungsgebiet.


Mit dem Bau von Fort Breendonk wird erst 1909 begonnen. Allein die Erdarbeiten werden mit 177.000 damaligen Belgischen Francs veranschlagt.

Das Fort wird aus Beton gebaut. Zur Fertigstellung werden letztendlich knapp 41.000 m³ benötigt.  Das Betongerüst des Forts fertigzustellen kostet 719.385 Belgischen Franken. Die ganze Anlage fertigzustellen kostet ca. 2.200.000 Belgische Francs.

Nach der Fertigstellung des Forts wird um das Fort herum ein Wassergraben ausgehoben der durchschnittlich 3,75 Meter tief und 50 Meter breit ist. Die dabei ausgehobene Erdmasse wird auf den Betonstrukturen des Forts verteilt, um dieses vor Feinden zu verbergen und es zusätzlich vor Direktangriffen zu schützen. Dieser Erdwall hat an manchen Stellen eine Höhe von fast 14 Metern.

Die Bewaffnung



Das Fort ist insgesamt mit 33 unterschiedlichen Kanonen- und Haubitzenmodellen ausgestattet:








Zusätzlich zu Kanonen und Haubitzen, die in Richtung Süden gerichtet sind, d. h. in Richtung des potenziellen Feindes, wird der Flankenschutz durch 8 weitere Geschütze sichergestellt – im Bereich, der „batterie traditore“ (den Eingang), der „verräterischen Batterie“ – und in Richtung der benachbarten Forts, um diesen im Notfall beistehen zu können. Es handelt sich um vier 75-mm- und vier 120-mm-Geschütze auf Scharten-Lafetten, Modell 1909.



Diese Kanonen sollen den Feind von Antwerpen fernhalten, sind jedoch schon zum Zeitpunkt ihrer Installation weitgehend veraltet. Die Deutschen hingegen haben schwere neue 305- bzw. 420-mm-Geschütze mit weiterer Reichweite aufgefahren. Sie können 1914 die belgischen Forts nach Belieben befeuern, ohne in die Reichweite der gegnerischen Artillerie zu kommen.

Eine 15-cm-Kuppel ohne Kanonen kostet damals 290.000 Belgische Francs (als Vergleichswert belief sich der Tageslohn eines Arbeiters zur damaligen Zeit auf 1 bis 3 Belgische Francs).


Es ist kein Luftabwehrsystem eingeplant.


Die Besatzung


Während Kriegszeiten befinden sich ca. 330 Soldaten im Fort (die meisten sind Infanteristen) und während Friedenszeiten ca. 80 Soldaten. Sie haben die Aufgabe, den Zugang zu verteidigen, indem sie sich auf den Dächern des Forts positionierten, geschützt von denen in diesem Bereich errichteten Erdwällen.

Es gibt zwölf Stuben (12 x 5,5 Meter), zwei Küchen (eine für die einfachen Soldaten und eine für die Offiziere), eine Bäckerei, Kerker (3), eine Dusche und abgetrennte Toiletten für die Soldaten sowie Offiziere und Unteroffiziere.



Der Erste Weltkrieg



Als im Juli 1914 der Krieg ausbricht, ist das Fort noch nicht wie die benachbarten Forts … fertiggestellt.


Um die Sicht für die Kanoniere des Forts frei zu machen, ordnet Oberst Génie Van Weyenberghe am 9. August 1914 den Abriss von fast 200 Häusern der Stadt Willebroek an (Westdijck, Palingstraat, Oude Dendermondsesteenweg, Steenweg op Tisselt).


Die Invasion Belgiens beginnt am 4. August 1914. Die deutsche Armee hat nur ein Ziel vor Augen: Paris so schnell wie möglich erreichen. Deswegen wird der Fokus zunächst auf den Süden Belgiens gelegt und Antwerpen wird zunächst ausgespart.

Erst am 9. September erteilt das deutsche Hauptquartier den Befehl an General von Beseler, Antwerpen einzunehmen: Die Belagerungsartillerie steht nach dem Sturz von Namur und Maubeuge zur Verfügung. Der General hat 120.000 Soldaten sowie eine umfangreiche und starke Artillerie: 42-cm-Kanonen, österreichische 30-cm-Skoda-Mörser, 30,5-cm-Haubitzen, 21-cm-Mörser usw.


Das Fort kann zwar französischen 220-mm-Mörsern standhalten, ist jedoch wehrlos gegenüber deutschen 305- oder 420-mm-Geschossen.


Die Bombardierung des Forts beginnt am 28. September.

Am 1. Oktober wird Breendonk zum ersten Mal getroffen. Eine Bresche, die durch den Sturz von Sint-Katelijne-Waver und Lier entstanden ist, ermöglicht die Einkreisung von Breendonk über die östliche Seite.

 

Am 1., 6. und 8. Oktober wird Breendonk mit 563 Geschossen österreichischer 305-mm-Mörser beschossen sowie mit Granaten, die über Artillerie abgefeuert werden, die sich 8 oder 9 km außerhalb der Reichweite der Artillerie des Forts befindet.


Am 8. Oktober gibt es eine sehr starke Bombardierung auf das Fort. Es regnet 305-mm-Granaten, wobei eine in den Kamin geschossen wird und anschließend zwischen zwei Zimmern explodiert. Der Befehlshaber des Forts, Kommandant Wijns wird dabei schwer verletzt und stirbt kurze Zeit später. Das Fort kapituliert am nächsten Tag. Am selben Tag wird auch Antwerpen erobert. Die Stadt Willebroek wird von deutschen Truppen besetzt, welche auch die Brücken Willebroeks zerstören.

Es ist verständlich, dass die Überlebenden stolz auf dies heroische Verteidigung waren. Um dies in Erinnerung zu behalten, wird 1926 links von der Ausfallpforte eine Bronzeplatte angebracht, auf der diese Verteidigung festgehalten wird.


 

 

 




Der Zweite Weltkrieg



Am 10. Mai 1940 um 8.30 Uhr kommt König Leopold III, Oberbefehlshaber, in Breendonk an. Er wurde vorher durch den Oberbefehlshaber und Generalstabschef des G.Q.G. vertreten. Von dort aus sendet der Landesfürst am 10. Mai seine Proklamation an das belgische Volk. In Breendonk empfängt er auch die Kommandanten der rechts stehenden französischen siebten Armee und der links stehenden britischen Streitkräfte. Unter ihnen befindet sich auch General Billotte, Befehlshaber der Groupe d’Armées du Nord, der die belgische Armee ab dem 12. Mai angeführt hat.


Am 16. Mai ordnet General Billotte den Rückzug aus der Verteidigungslinie Antwerpen-Namur an, da diese durch den Durchbruch bei Sedan unhaltbar geworden war. Am 16. Mai gegen Mitternacht verlässt der Generalstabschef das Fort. Bis zum Nachmittag des 17. wird dessen gesamtes Hauptquartier in die Nähe von Gent verlegt.


Das SS-Lager



Am 20. September 1940 kommt der SS-Sturmbannführer Philipp Schmitt mit seinen ersten Gefangenen im Lager an. Breendonk wird zum SS-Auffanglager unter Aufsicht der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (abgekürzt Sipo-SD), der deutschen politischen Polizei.

Während des ersten Jahres der Besatzung ist die Hälfte der Gefangenen Juden. Ab 1942, mit der Schaffung des „Sammellagers“ in der Dossin-Kaserne, wo die Juden vor ihrem Abtransport nach Osten zu den Vernichtungslagern zusammengezogen wurden, verschwinden die meisten Juden aus Breendonk. Breendonk wird nach und nach immer mehr zum Lager für politische Gefangene und Widerständler. 


Am 22. September 1941 startet ein erster Transport von belgischen politischen Gefangenen aus Breendonk und der Zitadelle von Huy zum Konzentrationslager Neuengamme, welches in der Nähe von Hamburg liegt. Viele weitere Transporte werden folgen.

Im Schnitt bleiben die Gefangenen drei Monate in Breendonk, bevor sie nach Deutschland, nach Österreich, in die Niederlande und nach Polen in andere Konzentrations- oder Vernichtungslager abtransportiert werden.

Das von den Nazis eingeführte Auffanglager unterscheidet sich kaum von richtigen KZs. Unterernährung und Zwangsarbeit zerstören Körper und Geist. Die zahlreichen Misshandlungen führen teilweise zum Tod von Inhaftierten.

Ursprünglich wurde das Lager ausschließlich von einigen deutschen SS-Männern und einer Gruppe von Wehrmachtsoldaten bewacht. Im September 1941 werden weitere Bewacher der SD zur Verstärkung eingestellt: Diesmal sind es keine deutschen, sondern hauptsächlich flämische SS-Männer.

Insgesamt haben rund 3.600 Personen, unter ihnen etwa fünfzig Frauen, die "Hölle von Breendonk", wie sie Franz Fischer in seinen Memoiren bezeichnet, erleben müssen.


Etwa die Hälfte dieser 3.600 Personen sind in Breendonk oder anderen Konzentrations- und Vernichtungslagern umgekommen.


Breendonk II



Nach der Befreiung am 4. September 1944 wird das Fort zum Gefängnis für Kollaborateure. Dieses Gefängnis wird „Breendonk II“ genannt. Zunächst sperren die Anhänger des lokalen Widerstands dort die „Inciviques“(Kollaborateure) ein. Während dieser Zeit kommt es zu einigen Übergriffen. Am 10. Oktober 1944 wird die Evakuierung des Lagers angeordnet: die Gefangenen werden zur Dossin-Kaserne nach Mechelen überführt.


Anschließend wird Breendonk zum offiziellen Internierungslager des belgischen Staates, bis er gesetzlich am 19. August 1947 zur nationalen Gedenkstätte ernannt wird.


Die Prozesse der Menschenschänder



Der Prozess von Mechelen



Auf Grund des Urteils des Militärgerichts in Mechelen werden 12 der Menschenschänder von Breendonk zum Tode verurteilt und am 12. April 1947 hingerichtet. Viele andere werden zu Gefängnisstrafen verurteilt.





Der Schmitt-Prozess



Ende 1945 wird Major Schmitt in einem Gefängnis in Rotterdam entdeckt und nach Belgien überstellt. 1949 beginnt sein Prozess vor dem Kriegsgericht. Am 25. November 1949 wird er zum Tode verurteilt.

Besuch

Wer sind wir ?
Die Gedenkstätte
Das Fort
Virtuelle Besichtigung
(360° Ansichten)

Künstler und Breendonk

Praktische Informationen

Öffnungszeiten
Die Anreise
Eintrittspreise
Guided tours
Photographs

Frequently Asked Questions

Geschichte
Praktische Fragen
Plan des Fort

Stockfoto

Kontakte und Links

Gästebuch
Kontaktieren Sie wir
Verbindungen

Reservierung von Führungen